Gorland wi dat fröher weer
( Kurzfassung von Joh. Hans Kohnert )

Ich habe das Buch "Gorland wi
dat fröher weer" geschrieben, um das, was die alten Menschen heute noch
wissen oder von ihren Vorfahren übernommen haben, für die Nachwelt zu
erhalten.
Die Gegenwart verändert sich so schnell, dass in vielleicht hundert Jahren
niemand mehr weiß, wie es hier aussah oder wie es hier zuging.
Es ist noch nicht lange her, da interessierten sich die Jungen nicht für die
Geschichte und die Geschicke des Dorfes und seiner Bewohner. Inzwischen hat
glücklicherweise ein Umdenken eingesetzt und die jüngere Generation belebt
alte Traditionen neu und versucht, alte Werte zu erhalten.
Den Alltag sowie die Ereignisse jener Tage wahrheitsgetreu festzuhalten war
nicht immer einfach, da die Befragten oft sehr unterschiedliche Erinnerungen an
die "Gute alte Zeit" hatten.
In 3-jähriger Arbeit, nach vielen, vielen Gesprächen mit Einwohnern Gadelands,
einige schon weit über 90 Jahre alt, und Recherchen im Stadtarchiv und im
Landesarchiv Schleswig kam eine große Menge Information und (Bild)Material
zusammen. Daraus ist, so hoffe ich, eine interessante und informative Lektüre
über unseren Ort entstanden, die das Wissen über Personen, Schicksale und
Ereignisse unseres Ortes für die nachfolgenden Generationen erhalten soll.
Eine kleine Kurzfassung aus dem 736 Seiten umfassenden Buch finden Sie im Anschluss
an diese Zeilen.
Viel Spaß bei der Lektüre
wünscht Ihnen Ihr
Johann Kohnert

Als der Erzbischof Athelbero von Hamburg am 11. Juli 1141 einen Brief und eine
Urkunde an das Kloster in Neumünster schickte, wurde darin zum ersten Mal das
Dorf „Godelande“ erwähnt. Wie wir wissen hatte der Apostel Vicelin ja 1130 in
Neumünster das Kloster gegründet und in dem Brief ließ der Bischof den Apostel
Vicelin wissen, dass das Kloster den zehnten Teil von dem damaligen Kirchspiel
bekommen würde. Sozusagen als Existenzgrundlage. Zuvor, im Jahr 1127, war
Neumünster zum ersten Mal unter den Namen „Wippendorf im Gau Faldera“ urkundlich
erwähnt worden. Also ist Neumünster gerade einmal 14 Jahre älter als Gadeland.
Vor dem 12. Jahrhundert lebten in dieser Gegend die Slawen. Aber am Anfang des
12. Jahrhunderts ging das Gebiet in den Besitz der Sachsen über, wobei ein Teil
der slawischen Bevölkerung hier blieb. Es ist anzunehmen, dass Gadeland damals
schon einem adligen Ritter gehörte, denn der Ritter und Richter „Sirich von
Godeland“ hat schon um 1200 dem Kloster Neumünster 1 ½ Hufen geschenkt. Also
muss das „Dorf“ schon damals aus mehr als einer Hufe bestanden haben. Der adlige
Stammsitz war immer die Hufe, wo heute das Hotel Kühl steht. In einer Urkunde
von 1221 wird ein Gottschalk (Godescale) von Godelande und sein Bruder erwähnt.
Es ist daher anzunehmen, dass sie die nächsten adligen Besitzer von Gadeland
waren. Nur richtig beweisen kann man es heute nicht mehr.
Noch 1367 war in den Büchern immer noch von Godeland zu lesen. Erst im 18.
Jahrhundert tauchte erstmals der Name „Gadelandt“ mit dt am Ende in den Akten
auf. Es wurde aber gleichzeitig auch ohne t am Ende geschrieben. Gadeland war
damals mit ca. 1500 ha noch ein reines Bauerndorf und die Einwohner mussten hart
arbeiten, denn sie mussten das schlechteste Land von der gesamten Umgebung urbar
machen. Erst im 20. Jahrhundert konnte man eine Umstellung vom Bauernhof in ein
gemischtes Dorf, mit kleinen Katen, feststellen.
1850 gab es hier noch 32 Hünengräber, aber 1870 gab es nur noch 17 nicht aufgemachte Grabhügel. Noch 1920
wurden 3 Gräber abgepflügt und der Sand für den Straßenbau verwendet.
Als die
Bauern ihre Koppeln noch mit Pferdegespanne umpflügten, wurden noch viele alte
Gegenstände von unseren Vorfahren gefunden. Sogar Urnen und Steinbeile. Man kann
also sagen, dass Gadeland in der Bronze-, in der Eisen- und mit Fragezeichen,
auch in der Steinzeit besiedelt war. 1606 gab es in Gadeland nur 3 Hufen und
3 Kätnerstellen, aber 1786 waren es schon 9 Hufen und 9 Katenstellen. Dazu kamen
noch die Hirten- und die Schulkaten. 1842 baute das Kloster Preetz nördlich vom
Dorf, auf dem Mühlenberg eine Windmühle, die an den Bäcker Hinselmann aus
Neumünster verpachtet wurde. Bis ca. 1800 war hier überall Flurzwang und das
ganze Land blieb Gemeingut der Bauern. Erst im 17. Jahrhundert wurde eine
wirkliche Besteuerung eingeführt. Damit der Staat mehr Geld einnehmen konnte,
wurden die vollen, halben und die Viertelhufen eingeführt.
Schon 1654 gab es
in Gadeland eine Lachsforellenfischerei und noch 1908 war die Lachsfischerei in der Stör
verpachtet. Bis 1771 gab es hier in der Feldmark nur 2 Furten als Übergänge
über die beiden Flüsse Geilenbek und Stör. Wenn man zu Fuß unterwegs war, musste
man über die im Wasser liegenden Steine springen. Erst nach 1771 wurden die
ersten Brücken gebaut. Im Sep. 1790 wurde zum 1. Mal richtig vermessen. Auch die
Feldmark wurde mit einbezogen. 1837 bekamen einige Hufner Holzanteile
zugewiesen. Bis dahin mussten sie die adligen Eigentümer um Holz bitten. Um den
Holzmangel zu beheben, wurde 1879 mit Waldanpflanzungen begonnen. Erst 1848
forderte die deutsche „Provisorische Regierung“ in Gottdorf die
Verwaltungsbehörden auf, den Insten Hilfe zu gewähren. Für die kleinen Leute
änderte sich aber erst etwas, als die Kopfsteuer - das Verbittsgelt - abgeschafft
wurde. Erst da ging es den einfachen Leuten etwas besser.
Bis 1893 hatten wir im
Dorf zwei Bürgermeister. Das Dorf bestand nämlich aus einem königlichen und einem
klösterlichen Dorfteil. Erst als die Preußen die Macht übernahmen und durch eine
Reform die Gerichtsbarkeit und die Verwaltung trennten, wurde der Grundsatz
eingeführt, dass vor dem Gericht alle Menschen gleich sind.
1766 gab es im Dorf
130 Einwohner. Im Jahr 1900 waren es schon 434 und 1970 bei der Eingemeindung
nach Neumünster waren es 3800 Einwohner. 1739 hatte der König Christian der 4.
dafür gesorgt, dass die Kinder in Holstein zur Schule gehen konnten. Zuerst
wurde nur im Winter unterrichtet, denn der Lehrer musste auch noch arbeiten. Als
1871 der ganztägige Unterricht eingeführt wurde, waren längst nicht alle Kinder
anwesend. Die Eltern ließen sie nicht zur Schule, denn sie mussten zu Hause für
das tägliche Brot arbeiten. 1896 ließ Herr Michels, der Direktor der Brauerei Hinselmann aus Neumünster, für seine 2 Söhne, auf Gadelander Gebiet eine Gerberei
bauen. Dieses war der Anfang für die Lederfabrik, die Emil Köster nach der
Übernahme der Gebäude, in den Zwanziger Jahren dort aufbaute. Er besaß schon
vorher einmal eine Lederfabrik in der Straße "Hinterm Schleusberg" (wurde später
umbenannt in Wrangelstraße), die aber 1914 durch ein Großfeuer vernichtet wurde.
Als die Firma 1967 die Produktion einstellte, hatte sie eine überdachte Fläche
von 35000 m2, die heute an über 30 Firmen vermietet sind. Als Folge der
Industrialisierung in Neumünster und Umgebung brauchten die Menschen auch neuen
Wohnraum und so entstanden in Gadeland von 1911 bis 1930 73 Häuser mit 103 Wohnungen
und in den Jahren von 1934 bis 1938 nochmals 47 neue Häuser mit 71 Wohnungen.
Das war die Zeit, wo aus dem Bauerndorf endgültig eine Wohnsiedlung wurde.
Schon
seit 1921 bemühte sich die Stadt Neumünster um die Eingemeindung des Dorfes Gadeland, aber erst mit einem Erlass vom 23.12.1937 verfügte die Regierung in
Kiel, dass ein Teil der Gemeinde Gadeland zum 1.4.1938 in Neumünster
einzugliedern sei. Durch diesen Erlass verlor Gadeland vor allem das Gebiet mit
der Fabrik und 48 Wohnhäuser mit 349 Einwohnern. Im Gegenzug bekam Gadeland den
Ortsteil Wittorferfeld mit 15 Haushaltungen und 76 Einwohnern zugesprochen. Im
Dorf gab es schon lange viele Vereine. So wurde schon 1889 die „Freiwillige
Feuerwehr“ gegründet und 30 Einwohner ließen sich gleich als Mitglieder
eintragen. Hundert Jahre später hatte die Feuerwehr 39 aktive und 210 fördernde
Mitglieder. Der jetzige Leiter ist Klaus Lemke und er ist der 8. Wehrführer in Gadeland. Die meisten Vereine wurden nach dem 2. Weltkrieg gegründet. So der
Reitverein, der um 1920 gegründet wurde. Der Sportverein, ebenfalls 1920. Der
Gesangverein. Der Kegelverein Langholz. Der Geflügelzuchtverein Cimbria, der
Imkerverein, der Ziegenzuchtverein. Die Theatergruppe. Die Siedlergemeinschaft,
der Bürgerverein, die Freunde der Schule und nicht zu vergessen die
Schweinegilde von 1907. Natürlich sind auch die Volksbank und die Stadtsparkasse
mit Filialen vertreten. 1961 wurde von Propst Steffen die neue Kirche eingeweiht
und an Pastor Schmidt übergeben.
Der 2. Weltkrieg ging an Gadeland Gott sei dank
ohne Kriegseinwirkungen vorbei, aber die vielen Flüchtlinge und
Heimatvertriebenen waren natürlich ein großes Problem. Zum Glück gab es ein Wehrmachtsbarackenlager im Wald an der Hochbrücke, (im Volksmund Waldlager
genannt) wo viele Familien erst einmal untergebracht werden konnten.
Nach einer
Bodenerhebung von 1950 hatte Gadeland eine gesamtwirtschaftliche Fläche von 1264
ha. davon 1081 ha. Nutzfläche. 1958 bestand die Gemeindevertretung aus 15
Personen und der Bürgermeister war der Kaufmann Hutzfeld. Karl-Fritz Peters war
der Verwaltungsangestellte und er musste alles zu Papier bringen, was die 15
„Weisen“ beschlossen hatten. Als Gadeland 1970 wieder eingemeindet werden
sollte, wurde eine Einwohnerversammlung einberufen, auf der sich die meisten
Teilnehmer bei der Abstimmung dagegen aussprachen. Es war aber genau wie 1937. In
Kiel war schon alles ... und so wurde Gadeland nach Neumünster eingemeindet. Das
Dorf Gadeland hat nach 829 Jahren aufgehört zu bestehen und die Einwohner sind
jetzt Neumünsteraner und wohnen im „Ortsteil Gadeland.“ Es ist vieles anders
geworden, aber.......
Wir bedanken uns für die Kurzinterpretation seiner
Werke
bei Johann Hans Kohnert, April 2001 - adosoft-computing
www.adosoft.de
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